Dave - Kinder wohnen mit Menschen / Rainer Pick

Klasse 3

 

 

Annika hat Tante Emilia von ihrem Traum erzählt. Besser, von ihrem Wunschtraum.
Irgendwann in diesem Winter will sie eine Nachtwanderung machen. Mit Freunden. Alle dick angezogen, denn so eine Winternacht kann ja sehr kalt werden.
 

 

Das Ziel soll etwas Tolles, Gemütliches sein. Vielleicht ihr Baumhaus, tief um Wald? Das hatte sie mit ihrer Freundin Vanessa und Lukas, ihrem kleineren Bruder im Sommer gebaut. Alles ohne Hammer und Säge!
Mit Stricken und Strippe und sogar mit Lianen hatten sie die Bretter zusammengefügt und am Baumstamm einer dicken Kastanie angezurrt. Als Dach haben sie drei alte, bunte und ein bisschen löchrige Regenschirme aufgespannt und miteinander vereint, als Baumhausdach installiert. Eine Leiter entstand aus vielen dicken Ästen der umher stehenden Eichen, die hatten sie einfach abgeworfen.
 
Seit der Sommer vorüber war, haben sie das Baumhaus nicht mehr aufgesucht. Vielleicht haben es sich ja ein paar Tiere für die kältere Zeit des Jahres das Baumhaus als Unterschlupf eingerichtet? Sie würden es bald sehen, denn Annika hatte beschlossen, an diesem Wochenende die Winternachtwanderung in Angriff zu nehmen, so jedenfalls hatte sie es in einem Telefonat mir ihrer Freundin Vanessa verkündet. Eine Weihnachtsparty sollte da draußen gefeiert werden. Tante Emilia, die in der Küche stand, hatte es genau gehört und der Lukas, spielte in der Nähe mit seiner Eisenbahn.
„Ich will mit kommen!“, verkündete er, ohne dass Annika eine Chance gehabt hätte, ihm zu widersprechen.
 
Aber, Annika hatte ihren großzügigen Tag, so gab es keinen Widerspruch von ihr. Nur ein kleiner hämischer Gedanke flitzte genau in diesem Moment durch ihren Kopf. „Dem kann man ja mal so richtig Angst machen. Da könnte ja ein Vampir auftauchen, mit schaurigem Geräusch und mit Namen Paul.“, so also der Gedanke in ihrem Kopf. Darüber muss Annika noch leise lächeln, dann begann sie mit dem Organisieren.
 
Zwei Taschenlampen wurden überprüft.
Waren sie noch hell genug? Die Batterien geladen?
 
Dann galt es die Versorgung mit Essen und Trinken zu sichern. Die Kontrolle des Kühlschranks und des Brotfachs in der Küche ergab:
Drei Sorten Wurst in ausreichender Menge, darunter nicht nur Leberwurst, sondern auch Bratwurst und Blutwurst. Weil sie auch daran gedacht hatte, Bello, den Dalmatinerhund der Nachbarn mitzunehmen, griente sie bei der Frage, die wieder so ein vorwitziger Gedanke unbedingt stellen musste: „Wird ein Dalmatinerhund, wenn er Blutwurst frisst, ein Bluthund?“
 
Diese Frage zu beantworten, überließ Annika den anderen Gedanken in ihrem Kopf und kümmerte sich weiter um die Organisation der Winternachtwanderung mit anschließender Weihnachtsparty.
 
Auf welchem Wege sollte es denn nun zum Baumhaus gehen?
 
Durch die Straßen der Stadt oder über den Friedhof? Die Entscheidung fiel ihr nicht schwer, denn die Wanderung sollte ja auch abenteuerlich und ein bisschen spannend werden. Für welchen Weg also entschied sie sich?
 
Natürlich führte die Route über den Friedhof mit den Gräbern, den Grabsteinen, den Eisenkreuzen, der Kapelle, die aus vielen Feldsteinen vor vielen, vielen Jahren errichtet wurde und besonders in den Nächten einen großen, dunklen Schatten auf den Weg über den Friedhof warf.
 
Die Lebensmittel und die blutrote Brause, ja man musste auch etwas zum Trinken mitnehmen, packte sie in drei Rucksäcke, gleichmäßig verteilte sie die Sachen, die mitgenommen werden mussten.
 
Am Abend war es dann so weit.
 
Bei Temperaturen von fast 10 Grad minus, hatten sich die Kinder schön warm angezogen, sogar Bello, der Dalmatinerhund hatte einen Pullover mitbekommen, wenn es noch kälter wurde, sollte Annika dem Hund den Pullover überstreifen.
 
Doch jetzt brauchte Bello diesen Pullover noch nicht, fröhlich tollte er um die um die drei Kinder herum, als fordere sie auf, dabei mit zu machen. Da am Tage genug Schnee gefallen war und auch jetzt ein leichter Schneefall einsetzte lag nichts näher, als diese Wanderung mit einer Schneeballschlacht zu beginnen. Noch erhellten die letzten Straßenlaternen vor dem Friedhof die Stelle, an der Hund und drei Kinder eine wilde Schneeballschlacht entfesselten. Mit hochroten Wangen und tiefen Atemzügen ruhten sie sich anschließend etwas aus, dann begann der Marsch über den Friedhof.
 
Die Taschenlampen leuchteten hell und entrissen auch dem schwarzen Schatten der Friedhofskapelle helle, erleuchtete Streifen. Dennoch wurde es den Kinder unheimlich, auch Bello wich nach kurzer Zeit nicht mehr von Vanessas Seite. So, als ob er instinktiv bei ihr Schutz suchte. Wovor hatte Bello Angst bekommen?
 
Waren es die unheimlichen Geräusche auf dem Friedhof? Nachts, auch wenn man Taschenlampen benutzte, waren die Geräusche anders, bedrohlicher, als am Tage. Unsicher schauten sich die vier Gestalten um. Auch Lukas hatte sich Annika dichter angeschlossen. Am liebsten hätte er die Augen und Ohren zugemacht, nur um diese unheimlichen Geräusche nicht mehr hören und die merkwürdig bizarren Schatten der entlaubten Zweige der umstehenden Bäume nicht mehr sehen zu müssen.
 
Da! Mit einem lauten Aufschrei fällt er plötzlich nach vorn. Irgendetwas hatte seinen Schuh fest gehalten und ehe er es richtig begriff, lag er auf der Nase.
Das bekam der Nase nicht so gut, denn eine Nase, die auf einem Grabstein oder einer steinernen Platte landet, bekommt Nasenbluten. Zwei starke Taschenlampenstrahlen erhellen sein blutverschmiertes Gesicht. Auch den größeren Mädchen wird nun noch unheimlicher. Gleich in der Nähe ruft ein Käuzchen.
„Schuhu, schuhi!“
 
Ängstlich rücken die drei Kinder und Bello zusammen.
Dann unterbricht ein helles Lachen der beiden Mädchen die Schrecken der Nacht. Bello ist nicht etwa, weil er Angst hat, näher gekommen. Mit seiner breiten, feuchtwarmen Zunge schleckt er von Lukas Gesicht das Blut ab.
„Ihii!“, ruft der und hebt seine Arme zur Abwehr hoch.
 
Noch immer lachend haben Annika und Vanessa mit ihren Taschentüchern Lukas Gesicht gesäubert und ihn wieder auf die Beine gestellt.
Lustig bellend springt Bello um die Kinder herum, denn der Zauber ist gebrochen. Nichts stellt sich ihnen in den Weg und so kommen sie gut voran.
Nur einmal noch wird es etwas unheimlich.
 
 Weit hinter der Stadt und ihrem Friedhof liegt das Wäldchen, indem sie ihr Baumhaus errichtet hatten.
Noch weit davon entfernt, erkennen sie ein sonderbar flackerndes Leuchten. Es scheint genau von jener Stelle auszugehen, an der sie ihre Weihnachtsparty feiern wollen.
Vorsichtig nähern sich Kinder und Hund dieser Stelle.
Was ist das? Es wird heller und heller!
 
Eine dunkle Gestalt bewegt vor einem großen Feuer hin und her, sie wirft mal ihren Schatten dorthin und dann wieder hier hin. Ganz deutlich ist das Baumhaus zu sehen, denn dieses Feuer erhellt es.
„Auweia!“, denken die Kinder und fragen sich besorgt, wer da an ihrem Baumhaus ein solch großes Feuer gemacht hat und wohl alleine eine Party feiern will?
 
Nur Bello springt plötzlich los und rast auf die schattenwerfende Gestalt zu. Immer wieder springt er an ihr hoch.
Es scheint, er freut sich?
 
„Kommt her, die Pizza ist gerade richtig heiß geworden und essbereit!“, ruft der dunkle Schatten vor dem Feuer mit einer Stimme, die Annika ganz genau kennt.
„Tante Emilia!“, ruft sie laut, froh und erleichtert.
 
Richtig. Es ist Tante Emilia, die genau gehört hatte, wie Annika mit Vanessa telefonierte. Gleich hatte sie in der Küche, noch während Annika die Rucksäcke packte, die Pizza vorgebacken, sich Feuerholz und Streichhölzer ins Auto gelegt, und ist, kurz nachdem die Kinder und Bello zu ihrer Winternachtwanderung aufgebrochen sind, mit dem Auto zum Baumhaus gefahren. Am Waldrand hatte sie das Auto abgestellt und dann dieses Feuer entzündet, an dessen Rand die Pizzen, in leichter Glut gar gebacken waren, gerade, als die Kinder und Bello am Baumhaus ankamen.
 
So wurde dann die Weihnachtsparty gefeiert und wenn die Eltern von Annika und Vanessa und Lukas es richtig verstanden haben, denn die Kinder erzählten am nächsten Nachmittag, zuvor haben sie gründlich geschlafen, von ihrer abenteuerlichen Winternachtwanderung, dann war es ein toller Abschluss, der spätestens im nächsten Jahr wieder statt finden muss.

 

 
   

 

He Du da! Ja Du da! Komm wir machen was zusammen.
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