Dave - Kinder wohnen mit Menschen / Rainer Pick
Ferienabenteuer  
Eine wilde „Meute“ von Lehrerinnen, Elternsprecher und ein grauhaariger Autor
 
stand den wenigen, sehr artigen Kindern in der Stadtbibliothek Gartz gegenüber.

 Es war einer der letzten Tage des September vom Jahr 2007.

 
 Hier ist mein Freund Jecki!
 
Und weil es, aus irgendwelchen Gründen, nicht mit der Naturwacht klappte, wurde kurzerhand dieser Mensch mit Bart, dieser Autor, Herr Pick engagiert
Herr Lehmann hat ihn persönlich abgeholt, so dass dieser Autor sich nicht drücken, nicht den Unterricht schwänzen konnte.
Er musste vorlesen, er musste mit den Kinder sprechen.
Zum Schluss entstanden eine Menge neuer Geschichten, die die Kinder mit ein wenig Unterstützung des Autors zu Papier brachten.
Einige Kinder wollten eine gemeinsame Geschichte schreiben und sammelten fleißig Stichworte und Handlungen zusammen. Der Herr Pick, Autor aus Radekow hat daraus folgende Geschichte geschrieben:
 
 
Ferienabenteuer
 
Paula und Fred sind nun wieder etwas fröhlicher.
Schließlich ist heute der erste Ferientag und die Zeugnisausgabe von gestern ist vorüber, ja fast schon vergessen.
Für Fred war es schon etwas peinlich, als er die Ordnungszensur auf dem Zeugnis sah.
Vater hat den Kopf geschüttelt und vor sich hin gemurmelt:
„Nur gut, dass ihr heute auch noch die Note 6 bekommen könnt, mit deiner 5 hier wärest du wahrscheinlich zu meiner Schulzeit sitzen geblieben.“
Und zu Paulas Sportzensur konnte die Mutter nur seufzen:
„Wir werden dir in den Ferien Sportstunden verordnen, jeden Tag wirst du mindestens eine Stunde joggen.“
Aber heute, einen Tag später sind diese „Drohungen“ vergessen, denn schon kurz nach dem Mittagessen wollen alle abreisen.
Raus aus der Stadt, hinaus auf das weite Land und hin zum Ferienhaus, zu dem sie, die ganze Familie schon seit drei Jahren fahren, um Ferien und Urlaub zu machen.
Mitten im Wald steht dieses Ferienhaus und sieht ein bisschen aus, wie sich viele Kinder das Hexenhaus aus dem Märchen Hänsel und Gretel vorstellen, wenn die Stelle vorgelesen wird, an der Hänsel sich ein Stückchen vom Pfefferkuchenhaus abbricht und der Hexe mit vollem Mund antwortet:
„Der Wind, der Wind, das himmlische Kind“.
„Das kann doch nur sehr undeutlich gewesen sein, denn er hatte doch den Mund voller Pfefferkuchenkrümel.“, dachte sich Fred schon in den ersten Ferien, die sie dort verlebten und
„Da wäre es doch besser gewesen, wenn Gretel der Hexe die Frage beantwortet hätte, denn sie hatte doch noch nichts vom Häuschen abgebissen.“, ist der zweite Gedanke von Paula gewesen.
Aber heute vergessen Paula und Fred die Nachdenklichkeit über diese Fragen schnell und freuen sich auf die bevorstehenden Ferien.
Gleich nach ihrer Ankunft im Waldhaus, die Eltern sind noch mit dem Aus- und Einpacken und Verstauen der mitgebrachten Hemden und Hosen, Brot und Brötchen, Butter und Wurst und Vieles mehr beschäftigt, sind Paula und Fred los marschiert.
Jeder hatte sich einen Spankorb geschnappt und dann ging es ab in den Wald.
Die Pilzstellen kannten sie schon lange.
 
 
 
Ganz genau wussten sie, wo die Pfifferlinge, die gelben zu finden sind. Der braun behütete Maronenpilz kam ebenfalls in ihre Körbe und auch der errötende Perlpilz landete dort, denn sie wussten ihn gut vom giftigen Panterpilz zu unterscheiden. Besonderes Glück hatte Fred, denn am Fuß eines Baumstumpfs entdeckte er eine Krause Glucke. Beinahe hätte sie nicht in seinen Korb gepasst, aber mit dem Pilzmesser geteilt, passte sie je zur Hälfte in den Korb von Paula und in Freds Korb.
Begeistert von den tollen Pilzfunden gehen die Geschwister immer tiefer in den Wald. Immer wieder hallte es:
„Schau mal Paula, da steht noch einer!“ oder
„Hier, komm mal hierher, da stehen noch viel mehr. Da ein dicker Steinpilz!“, ruft begeistert Paula ihrem Bruder zu.
Und länger und länger dauert die fröhliche Pilzsuche und weiter und weiter entfernen sich die beiden von ihrem Ferienhaus, von ihren Eltern und vom ihnen gut bekannten Waldgebiet.
Endlich sind die Pilzkörbe gefüllt und die beiden machen eine Pause.
„Du.“, stupst Paula ihren Bruder an. „Du. Wo sind wir eigentlich?“
„Wees nich.“, entgegnet Fred seiner Schwester und schaut sich suchend um.
„Irgendwie muss man doch wieder aus dem Wald herauskommen?“, meint Paula und schaut ebenfalls nach einem Ausweg.
„Sieh mal, da hinten ist eine Kreuzung! Da gehen wir jetzt hin.
Vielleicht gibt es ein Schild an einem der Wege, dann finden wir den Weg zurück?“,   
wünscht sich Fred und nimmt seine Schwester sicherheitshalber an die Hand. Beide staksen durch das Laub, das schon von den Bäumen gefallen ist und die Wiese hier in einer dicken Schicht bedeckt. An der Kreuzung von zwei Waldwegen, am Rande der Wiese mit der Laubschicht, angekommen, müssen sie sich entscheiden: Entweder geradeaus, recht, links oder wieder zurück.
„Ach was, wir gehen jetzt geradeaus!“, entscheidet Paula für die Geschwister, denn sie ist ein Jahr älter, als Fred. Und sie gehen los.
Keinen Pilz können sie hier sehen, kein Tier, ein Igel vielleicht oder ein Reh, kreuzt ihren Weg. Es ist auch verdächtig still geworden. Nicht einmal ein Windgeräusch ist zu hören.
„Hör mal Paula, man hört gar nichts mehr.“, macht Fred seine Schwester auf seine Feststellung aufmerksam.
„Ja.“, antwortet Paula, „das ist mir auch aufgefallen.“
Aufmerksamer geworden, suchen ihre Augen den Weg ab, während ihre Ohren, wie kleine Radarantennen, in alle Richtungen nach Geräuschen suchen. Doch nicht einmal ein Vogelzwitschern erklingt, nur das Rauschen des körpereigenen Blutstroms ist zu hören.
Doch da!
Eine Stimme erklingt.
Dumpfes, grollendes Sprechen ertönt.
„Geht weiter auf dem Weg. In hundert Meter Entfernung ist ein großer Baum zu sehen. Es ist der Eingang in eine Höhle, der sich zwischen den Wurzeln befindet. Da geht hinein.“
Paula und Fred sehen sich an.
„Hast du das auch gehört?“, fragen sie gleichzeitig, um dann die Bestätigung zu nicken.
„Merkwürdige Stimme, eigentlich nicht sehr vertrauenswürdig.“, macht Paula dem Bruder ihre Gefühle klar.
„Ja ziemlich düster und bedrohlich.“, bestätigt ihr Fred. Dann hängen beide ihren Gedanken nach, während ihre Füße weiter auf dem Weg vorankommen.
Schon erreichen sie diesen großen Baum, es ist wohl eine sehr, sehr alte Eiche.
„Da! Der Eingang in eine Höhle ist tatsächlich zwischen den Wurzeln.“, etwas überrascht, dass die unheimliche Stimme die Wahrheit gesagt hat, ruft Fred es heraus.
Ja, er hat es richtig gesehen, zwischen den zwei mächtigsten Wurzeln dieser alten Eiche ist eine dunkle Öffnung zu finden, groß genug für ein mittelgroßes Kind.
Offenbar befindet sich hinter dieser Öffnung eine Höhle. Schwarz gähnt der Eingang zur Höhle den Kindern entgegen. Ja es scheint sogar, als ob dieses Schwarz aus der Höhle herauskommen will.
Schwarz will in den Wald, Schwarz will zu den Kindern.
Paula und Fred fassen sich an die Hand. Fester noch halten sie zusammen.
„Lass dir keine Angst machen!“, flüstert Paula und Fred antwortet:
„Nein! Da müssen wir hindurch!“
Dann treten sie entschlossen in die Höhle hinein.
Ein langer Gang liegt vor ihnen.
Undeutlicher Schimmer von rötlichen Schatten erleuchtet die feucht schimmernden Wände. Schleimiges glibbert von der Decke hinunter zu den Geschwistern, die sich immer wieder die ekelige Masse vom Gesicht und von den Sachen  abstreifen.
„Igittegitt!“, denken sie sich und atmen erleichtert auf, weil sich vor ihnen ein etwas größerer Raum öffnet. Kein Schleim glibbert mehr von der Höhlendecke.
In drei Wege gabelt sich der Gang von dieser Stelle aus.
Kurz entschlossen gehen sie den Weg weiter, der geradeaus führt.
„Ich habe Durst.“, teilt Fred seiner Schwester mit, nachdem sie eine weitere Stunde durch die Höhle gelaufen sind. „Ich auch, aber die Cola ist längst alle und war außerdem viel zu süß.“, antwortete Paula. „Aber vielleicht kommen wir an einer Quelle vorbei, hörst du es auch?“, setzt sie fort und hält eine Hand an ihr Ohr, um dieses neu aufgetauchte Geräusch besser zu hören.  Schon nach vielleicht dreihundert Meter endet der Gang.
Das Geräusch ist lauter geworden. Das Ende des Ganges ist gut zu erkennen, denn wie eine große Lampe leuchtet ihnen der Höhlenausgang den Rest der Wegstrecke.
Dort endlich angekommen, erkennen sie auch den Grund des lauten Rauschens. Ein riesiger Ozean bringt Riesenwellen an den Strand, auf dem die Geschwister nun angekommen sind. Rechts und links ist dieser Strand weiß und weit.
„Sieht ja toll aus! Aber Salzwasser kann man nicht trinken.“, ruft Fred seiner Schwester zu. „Stimmt. Aber sie mal wie die Wellen hier her anrauschen. Die kommen ja immer weiter den Strand rauf!“, antwortet Paula,
Die Geschwister bleiben durstig und müssen den heran rauschenden Riesenwellen ausweichen. Es scheint, als ob diese Wellen sie verfolgen, erreichen und unter sich begraben wollen. Schon klettern die beiden wieder in Richtung Höhle, aus der sie gerade erst entkommen sind.
Doch die Riesenwellen sind schneller.
Da, es rauscht wieder eine dieser Wellen heran. Ganz vorne ist dichter Schaum zu erkennen. Dunkelgrün ist dahinter das Wasser zu erkennen, das sich jetzt hoch über die beiden Kinder erhebt, um mit donnerndem Krachen hinunter zu  schwallen. Gurgelnd und glucksend, mit wild um sich greifenden Armen und Beinen verschwinden sie unter den Wassermassen.
Ein letzter Strudel ist noch zu sehen und eine leere Cola- Flasche, die im schäumenden Rückzug der Riesenwelle oben auf dem Wasser  treibt.
Kopfüber und trudelnd sind die Geschwister unter dem Wasser zu erkennen.
Sind sie schon tot? Ertrunken?
Da, sie stehen auf dem Meeresgrund.
Wieder haben sie sich an die Hände gefasst.
Gemeinsam kann man dem Unheil besser begegnen.
Unter Wasser ist von den Riesenwellen nicht zu spüren. In dieser Tiefe herrscht eine leichte Strömung, die am Hemd von Fred und an der Hose von Paula etwas zupft, mehr nicht.
Rundherum Wasser, hier und da schwimmt ein Fisch vorbei, sozusagen neugierig, wer da wohl den Meeresgrund besucht.
 
 
Auf dem Meeresgrund ist hier und da eine Muschel zu erkennen. Auch Pflanzen wachsen hier, sind aber nicht weiter zu erkennen. Außerdem kommt da etwas auf die Geschwister zu. Noch ist es nicht genau zu erkennen. Etwas Großes, ein Tor vielleicht, oder gar ein Portal? 
„Genauso ist es! Es ist ein Portal!“,
ertönt eine Stimme, die den Kinder bekannt vorkommt.
Weil sie sie schon kennen, schon einmal gehört haben. Vorhin, damals, im Wald vor der Höhle.
Was sollen sie denn nun tun?
Durch das Portal hindurch gehen?
Rechts oder links vorbei gehen?
Zuerst gehen sie etwas dichter heran. Das Wasser im Portal, oder besser dahinter, scheint hellblau zu sein, während es an der Stelle, an der sie gerade stehen, eher grünlich ist.
„Sag doch mal, wunderst du dich nicht, dass wir hier atmen können? Hier ist doch überall Wasser.“, fragt Paula ihren Bruder. Der antwortet:
„Nee, ich wundere mich überhaupt nicht mehr, denn alles was erleben, scheint voller Wunder und nichts ist normal.“
Die Kinder nicken sich zu. Dann sehen sie sich noch einmal um. Von Weitem scheint sich ihnen etwas zu nähern. Erst ist es nur ein kleiner Punkt im grünen Meereswasser. Doch nach und nach wird der Punkt größer, zuerst ist er so groß wie ein Fußball, dann noch größer. Jetzt verdunkelt das merkwürdige Wesen den ganzen grünen Meereshintergrund. Noch näher kommt der Riesenfisch, wie die Kinder nun erkennen. Sehr gut erkennen sie auch die riesigen eckigen Zahnreihen im weit aufgerissenem Fischmaul. „Dat will uns fressen!“, ruft Fred aufgeregt. „Wir müssen durch das Portal springen!“, klärt Paula die einzige Möglichkeit diesem Meeresmonstrum zu entkommen.
Dann springen sie beide, fast gleichzeitig in das hellblaue Wasser des Zauberportals.
Verschwunden und vorbei ist die bedrohliche Sache mit dem Riesenfisch und dessen scharfen Zähne.
Auch das Zauberportal ist nicht mehr zu sehen. Dafür zwitschern Vögel, die in den Büschen rund um das Waldhaus, herumschwirren. Aus dem Waldhaus treten die Eltern von Paula und Fred.
„Ja wo bleibt ihr denn? Wir wollten doch noch in die Stadt fahren, im Meeresmuseum einen Besuch machen!“
„Das wird heute nichts mehr.“,
antworten die beiden Kinder und zeigen den Eltern die wohl gefüllten Pilzkörbe.
„Die müssen erstemal geputzt und dann für das Abendbrot vorbereitet werden.“
In der Küche erzählen Paula und Fred dann den Eltern was sie an diesem Nachmittag erlebt haben.
Als sie spät am Abend in ihren Betten schlafen, unterhalten sich die Eltern noch im Wohnzimmer.
„Ob sie im Wald eingeschlafen sind?
Vielleicht sollten wir sie weniger fernsehen lassen?“
 
He Du da! Ja Du da! Komm wir machen was zusammen.
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